NRW Literatur im Netz

Andreas Mand - Arbeitsproben

Aus: GROVERS ERFINDUNG (1990)

"Dabei können sie gar nicht wissen, was später aus einem wird. Zum Beispiel kann es gut sein, daß ich später auf der ganzen Welt berühmt bin. Kannst du mir etwa das Gegenteil beweisen? Nicht, daß ich es etwa darauf anlege, so eingebildet bin ich nicht. Mehr sein als scheinen, das ist die Devise. Aber es könnte einem theoretisch passieren. Und dann? Dann werden sie sich fragen: Moment mal, der hat doch hier gewohnt. Und es wird ihnen jammerschade sein! Jawohl! Aber dann ist es zu spät zum Bedauern! Nämlich ich, der Schuljunge mit seinem überladenen Tornister und dem entwürdigenden Turnbeutel, der von der Bushaltestelle kommt und bei Spicker vor den Schienen warten muß, weil mal wieder das rote Licht blinkt. Und die ganzen Leute haben die Frechheit und interessieren sich überhaupt nicht für einen. Sie ärgern sich höchstens über die rote Ampel, und wenn die blöde Bimmelbahn vorbei ist, sagen sie "Na endlich!" und legen Galopp ein. Sie gehen einfach weiter. Sie nehmen sich was raus, bloß weil sie erwachsen sind. Dabei wird man soweit ich weiß noch von alleine erwachsen."

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