Museum für Westfälische Literatur - Kulturgut Haus Nottbeck

Museum für Westfälische Literatur - Kulturgut Haus Nottbeck

Name
Museum für Westfälische Literatur - Kulturgut Haus Nottbeck
Gründungsjahr
2001
Ort
Oelde-Stromberg
Sitz
Oelde
Regionen
Westfalen komplett, Münsterland
Arbeitsbereiche
Institut/Museum, Archiv
Kontaktadresse
Landrat-Predeick-Allee 1, 59302 Oelde,
Telefon
02529-945590
Telefax
02529-945591
Email
info@kulturgut-nottbeck.de
Web
www.kulturgut-nottbeck.de
Öffnungszeiten

Di - Fr 14.00-18.00 Uhr
Sa + So 11.00-18.00 Uhr
Gruppenführungen und Schulklassen auch vormittags nach Voranmeldung

Personal

Wissenschaftliche Leitung: Prof. Dr. Walter Gödden (LWL-Literaturkommission für Westfalen)
Ausstellungsgestaltung: Robert Ward
Museumsmanagement/Pressearbeit: Dirk Bogdanski

Träger des Gesamtprojekts: Kulturgut Haus Nottbeck GmbH
Geschäftsführung: Dr. Heinz Börger, Dr. Stefan Funke

Verein der Freunde und Förderer des Hauses Nottbeck e.V.
Vorsitzende: Susanne Festge

Profil der Einrichtung

Innovative, multimedial angelegte Ausstellungen sind das Markenzeichen des Literaturmuseums Haus Nottbeck, das zu einer anerkannten und beliebten Schnittstelle für vielfältige Aktivitäten rund um das Thema westfälische Literatur geworden ist. Im Rahmen eines breit gefächerten Veranstaltungsprogramms, u.a. mit Lesungen, Konzerten, Slam-Poetry, Lyrik- und Jazz-Abenden, Workshops, Büchermärkten oder szenischen Aufführungen, tritt Literarisches hier in einen spannenden Dialog mit anderen künstlerischen Ausdrucksformen wie Performance, Film oder Musik. Kreativ und voller Überraschungen schlägt das Museum den Bogen von den Anfängen der Lesekultur bis in die Gegenwart und lässt Literaturgeschichte lebendig werden. Wissenschaftlich konzipiert wurde die Dauerausstellung von Prof. Dr. Walter Gödden, Geschäftsführer der Literaturkommission für Westfalen. Die gestalterische Umsetzung erfolgte durch den amerikanischen Designer Robert Ward. Das Museum wurde jüngst ausgezeichnet mit dem Hartmut-Vogel-Preis als "Innovatives Literaturmuseum 2012".

Lit. Veranstaltungen/Projekte

Neben der Dauerausstellung des Literaturmuseums gibt es jedes Jahr bis zu sechs Sonderausstellungen. Ergänzt wird das Angebot durch museumspädagogische Projekte für Kinder und Jugendliche wie Schreibwerkstätten zu unterschiedlichen Themen oder die beliebte Museumsrallye.

Im großen Veranstaltungssaal des Kulturguts findet ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm mit klassischen Lesungen über literarische Konzerte und Lyrik und Jazz-Abende bis zu Comedy und Performance statt. Filmpräsentationen, Theateraufführungen und Hörspielpremieren gehören ebenso zum Programm wie Aktionstage zur Kinderbuchillustration, Musik- und Theaterfeste oder der Nottbecker Büchermarkt, der alljährlich unzählige Bouquinisten und Bücherwürmer aus Nah und Fern auf das Kulturgut lockt. Haus Nottbeck hat sich zudem als Ort für Preisverleihungen (unter anderem Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis, Rottendorf-Preis für niederdeutsche Literatur), Literatur- und Musikfestivals (Mord am Hellweg, Wege durch das Land, Münsterland-Festival) sowie Open-Air-Events etabliert. Nicht die Masse, sondern die Mischung und der Blick für das Besondere sind zentrale Kriterien der Programmauswahl. Jede Veranstaltung soll ein besonderes Gesicht haben und mit Höhepunkten aufwarten. Dazu zählten auch renommierte Namen wie Senta Berger, Peter Rühmkorf, Christian Quadflieg, Wiglaf Droste, Jörg Thadeusz, Dominique Horwitz, Axel Prahl, Susanne Lothar oder Hans-Michael Rehberg sowie internationalen Star-Autoren wie Peter James, Gianrico Carofiglio, Meg Gardiner oder Christopher G. Moore, die in den letzten Jahren ihre Visitenkarte auf der Bühne des Kulturguts abgaben.

Das aktuelle Programm findet sich auf der Homepage des Museums.

Archiv

Natürlich kann auch in einer Bibliothek geschmökert und das in der Ausstellung Erfahrene vertieft werden. Über zwei Datenbank-Terminals lassen sich Informationen zu mehr als 2000 westfälischen Schriftstellern abrufen.

Institut/Museum

Das Museum für Westfälische Literatur im Haupthaus des Kulturguts wendet sich mit seinem innovativen Konzept, Literatur zu visualisieren, also Literaturgeschichte anschaulich zu vermitteln, nicht in erster Linie an ein elitäres Fachpublikum. Die populäre Aufbereitung der Literaturgeschichte nimmt einen möglichst breiten Interessentenkreis in den Blick. Sie will Neugier wecken und Lust machen auf die vielfältigen Themen der westfälischen Literaturlandschaft. So begeben sich die Besucher auf eine spannende Zeitreise durch die westfälische Literaturgeschichte von den mittelalterlichen Anfängen der Lesekultur bis in die heutige Zeit. Kostbare Exponate, von der mit über hundert farbigen Illustrationen ausgestatteten "Kölner Bibel" aus dem späten 15. Jahrhundert über Erstausgaben der Annette von Droste-Hülshoff bis zum Werkbuch des Georg-Büchner-Preisträgers Ernst Meister, werden erläutert und bereichert durch vielfältige Medienangeboten, Installationen und Autorenporträts. Mannshohe Buchschuber, ein überdimensionales Radio, zahlreiche Rechercheterminals und Audiostationen mit etwa 10-minütigen Literaturfeatures, ein Videopavillon sowie Hörspielinseln im Museumspark bilden eigenständige Elemente der Literaturvermittlung.

Rolevinck, Droste und "Frauenzimmerliteratur"
Von den ersten Spuren in der mittelalterlichen Heliand-Dichtung, Werner Rolevincks "Buch zum Lobe Westfalens" und Reformationspamphleten über Münstersche Schriften des Humanismus und den Schelmenroman "Simplicissimus" bis hin zum Kreis von Münster um die Fürstin Gallitzin und zu den ironischen Schriften des Vormärz-Dichters Georg Weerth. Die Großen der Westfälischen Literatur - der Detmolder Dramatiker Christian Dietrich Grabbe, Ferdinand Freiligrath und natürlich die Droste - fehlen ebenso wenig wie die häuslich-fromme "Frauenzimmerliteratur" etwa einer Henriette Davidis. Und wer nicht lesen will, kann hören: Plattdeutsches von Augustin Wibbelt und Karl Wagenfeld oder Kurioses wie die Reiseberichte des "Westfälischen Humboldts" Engelbert Kaempfer, der im 17. Jahrhundert als erster Forschungsreisen u.a. nach Japan unternahm - und überlebte. Täufer, Dreißigjähriger Krieg, Voltaires Westfalenspott und Heimatkult: Neben den Porträts zahlreicher westfälischer Autoren werden auch westfälische Themen in ihren literaturgeschichtlichen Auswirkungen nachgezeichnet.

Gruppe 61, Meister, und Visuelle Poesie
Im Obergeschoss ist die jüngere Literaturgeschichte auf multimediale Weise erfahrbar. Heimatbewusstsein in seinen vielfältigen Formen und Instrumentalisierungen erschließt sich in einer ersten Station. Von Ritterhaus' "Westfalenlied" und dem Bestseller von Josef Winckler "Der tolle Bomberg", "Blut und Boden" wie NS-Propagandaliteratur, Schmallenberger Dichterstreit und literarische Neuorientierung nach 1945 bis hin zu zeitgenössischen Reflexionen ist der westfälische Heimatbegriff literarisch dokumentiert. Der soziale Impuls als Quell literarischen Schaffens markiert einen weiteren Ausstellungs-schwerpunkt. "Des Bergmanns früher Tod" in der frühen Arbeiterdichtung ist hier ebenso präsent wie Revierromantik und politische Agitation in den Industrieromanen der Weimarer Zeit, politisches Kabarett, Hannes Waders Arbeiterlieder und das Wirken der Dortmunder Gruppe 61 um Fritz Hüser und Max von der Grün sowie deren Nachhall in den Agit-Pop-Tendenzen der 1970er und 80er Jahre. Avantgardisten wie Gustav Sack, August Stramm und der Dadaist Richard Huelsenbeck stehen für die literarische Moderne, daneben Peter Paul Althaus und Ernst Meister.
Visuelle Poesie ist vertreten durch Timm Ulrichs, Karl Riha, S.J. Schmidt und den Erfinder der Decollage Reinhold Koehler. Im "Cyber-Room" erschließt sich die Gegenwartsliteratur via Computer im Internetdesign.
Der Gewölbekeller ist der Kinder- und Jugendliteratur gewidmet. Hier trifft man auf alte Bekannte wie die legendären "Bummy-Bücher" Martha Schlinkerts oder die "Immenhof-Geschichten" Ursula Bruns. Und eine Licht-Ton-Installation entführt in die Welt von Schlossgespenstern und Straßengangs.
Zum Abschluss der Zeitreise bietet der Video-Pavillon einen Ort der Ruhe und Inspiration. Autoren aller Epochen beantworten hier Fragen nach ihrer Motivation zu Schreiben.
Eine Medienlounge und Schmökerecke in der Bibliothek lädt ein, selbstständig in die unterschiedlichen literarischen Themenwelten einzutauchen. Für Kinder und Jugendliche besteht zudem ein dynamisches pädagogisches Programmangebot, das neben Museumsrallye, Schreib- und Lesespielen sowie Theaterübungen auch Druckworkshops in der hauseigenen Werkstatt umfasst. Neugier und Kreativität werden dabei ebenso geschult wie Selbstbewusstsein und Medienkompetenz. In seinen Sonderausstellungen und eigenen Literaturprojekten stellt das Museum – gewissermaßen als Seismograph der regionalen Literaturszene – aktuelle Strömungen, wichtige Autoren und Tendenzen der westfälischen Literaturlandschaft vor. Eine ebenso produktive wie lustvolle Grenzüberscheitung zwischen Fachwissenschaft und Populärkultur gehört dabei zum Selbstverständnis des Hauses.

Sonstiges

Das Kulturgut Haus Nottbeck in Oelde-Stromberg ist mit seinem einzigartigen Museum für Westfälische Literatur ein kulturelles Leuchtturmprojekt des Kreises Warendorf mit überregionaler Ausstrahlung. Malerisch im Süd-Osten des Münsterlandes zwischen Oelde und Rheda-Wiedenbrück gelegen, wird das Kulturgut auf dem historischen Adelssitz "Haus Nottbeck" jährlich von über 20.000 Kulturinteressierten besucht. Mit seiner Dauerausstellung zur Literaturgeschichte Westfalens, der angrenzenden Musik- und Theaterwerkstatt, zahlreichen Sonderausstellungen und einem breit gefächerten Veranstaltungsprogramm hat sich das Literaturmuseum seit seiner Eröffnung im Jahre 2001 zu einem wichtigen Zentrum der Kulturszene des Landes entwickelt.

1987 hatte der Kreis Warendorf das ehemalige Rittergut mit der Auflage übernommen, die baufälligen Gebäude instand zu setzen und einer öffentlichen kulturellen Nutzung zuzuführen. Nach dem Ausbau des klassizistischen Herrenhauses zu einem Literaturmuseum wurden in den Wirtschaftsgebäuden Aufführungs- und Probenräume für Musik- und Theater-produktionen, ein Gästehaus für bis zu 40 Gäste und ein KulturCafé eingerichtet. Die Außenanlagen wurden zu einem "Naturpark" umgestaltet, der ebenso zu Erkundungen einlädt wie zum Verweilen in romantischer Atmosphäre. Die Sanierung des denkmalgeschützten Anwesens wurde im Rahmen "Regionale 2004 – links und rechts der Ems" vom Land Nordrhein-Westfalen gefördert und als vorbildliches Zeugnis qualitätsorientierter Profilierung der Region gewürdigt.

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Aktualisiert am
17.02.2016