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Wilfried Bremermann - Arbeitsproben

Aus: DER ARMAGEDDON-PLAN

Sie gelangte schneller in den Keller als sie gedacht hatte, und ohne Zwischenfälle fand sie den Raum, in dem die Schurken den Computer deponiert hatten. Es war beinahe zu einfach, und zum zweiten Mal in dieser Nacht fragte Heidi sich, ob sie in eine Falle getappt war.
Der Rechner war eingeschaltet. Heidi setzte sich auf den Stuhl, legte die Pistole neben das Gerät und desaktivierte den Bildschirmschoner. Auf dem Display erschien eine Worddatei, eine sinnlose Aneinanderreihung von Zahlen und Buchstaben, offenbar ein Code. Doch die Überschrift war im Klartext: ARMAGEDDON. Eine Tabelle mit Zahlen und erläuternden Phrasen deutete auf Uhrzeiten hin. Ein Protokoll? Heidi blätterte sich durch die Seiten und hoffte auf weitere Klartextangaben. Fehlanzeige. Oder doch nicht?
An mehreren Stellen der Datei wiederholte sich ein Textabschnitt von gleicher Länge, dargestellt in Großbuchstaben. Ein Eigenname? Möglicherweise der Name eines Schiffes, Schiffsnamen wurden in Texten meistens groß geschrieben. Heidi prägte sich die Buchstabenfolge ein, und beim Blättern stieß sie immer wieder auf die rätselhafte Bezeichnung. Doch das Geheimnis ließ sich vorerst nicht lösen.
Lediglich der Titel deutete auf eine Gefahr hin. Armageddon. Der Ort der endzeitlichen Entscheidungsschlacht in der Offenbarung des Johannes. Heidi ahnte, dass es hierbei um eine Angelegenheit von weltweiter Bedeutung ging. Und sie hielt den Schlüssel dazu in der Hand.
Sie streckte den Arm aus, um den Laptop zuzuklappen und an sich zu nehmen. Und erstarrte. Das Licht ging an. In der Tür stand der Eunuch. Die Automatic in seiner Hand zielte direkt auf Heidis Brust.

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