NRW Literatur im Netz

Dr. Jürgen Wilbert - Arbeitsproben

HIRNBISSIGES

Vor lauter Medienpräsenz geht die Geistesgegenwart verloren. / Aussitzen strapaziert nicht nur das Sitzfleisch. / In einer Hinsicht sind die meisten Zeitgenossen ungemein schöpferisch: sie schöpfen Verdacht. / Früher erfolgte Bezahlung noch mit barer Münze, jetzt bar jeder Vernunft. / Ausgerechnet die Geschmeidigen werden nicht untergebuttert. / Wer nur Schönwetter macht, lässt andere gern im Regen stehen. / Wer auf großem Fuße lebt, dem kann man auch viel in diem Schuhe schieben. / Je weit gereister der Mensch, desto betretener die Umwelt. / Er zog so viel an Land, bis er keines mehr sah. / Was in aller Munde ist, ist abgeschmackt. / Viele werden nur durch Scheitern gescheiter. / Wahlkampf: Wettstreit hinkender Vergleiche. / Werdegang politischer Reden: erst Politur, dann Makulatur. / Die besten Vorsätze enden meist sehr einsilbig. / Wunschtraum eines Aphoristikers: Die geschärfte Zunge wird zum Zünglein an der Waage. / Wettstreit literarischer Gattungen: Der Aphorismus ist immer schon da. / Aphoristiker zerbrechen sich ohne Not die Köpfe anderer. / Sie bleibt in den langen Museumsnächten außen vor: die Sammlung. / Redefreiheit: früher ein Menschenrechtsartikel, jetzt ein Gebührensatz. / Es gibt Mitbürger, die sind derart belesen, dass sie grundsätzlich Korrektur lesen. / Wenn unterm Strich nicht heraus gekommen ist, kann es auch daran liegen, dass man nur überm Strich gedacht hat.

Logo des Westfälischen Literaturbüros in Unna e.V.