NRW Literatur im Netz

Angela Litschev - Arbeitsproben

REQUIEM

Die Flamme lodert spielerisch
um das totenbleiche Wachs.
Die Atmosphäre - malerisch.
im Hintergrund - ein Sax.

Der Vorhang wird aufgerissen.
(Kein Vorhang. Bloß ein Buch.)
Ich stehe vor Kulissen,
hab' Geister zu Besuch.

Celan und Poe, Jim Morrison,
Hendrix, Elvis, Gott
weiß, wer da gekommen ist.
Sind sie nicht alle tot?

Ich höre sie. Ich sehe sie.
Sind mitten unter uns.
So intensiv wie Poesie,
so leibhaftig wie Kunst.

DER KELLNER IM WEIßEN HEMD

Der Kellner im weißen Hemd
geht mir andauernd fremd.
Seine sanfte Stimme,
seinen ausgearbeiteten Charme
setzt er als guter Mime
auch bei anderen Damen ein.

Was kann ich dagegen machen?
Ich hab mich in ihn verguckt.
Ich mag sein laszives Lachen
und wie er die Achseln zuckt.

Leider
sind wir nicht allein auf der Welt.
Meiner
und der Kellner
im weißen Hemd.

REQUIEM FÜR EINE FLASCHE CAMPARI

Ich habe die Flasche Campari
geköpft.
Roter Rinnsaft rannte
meine Wangen entlang
bis zum Kinn.
Ich trank weiter. Geweitet
- die Pupillen der Seraphim.
Die Dunkelheit umarmt mich.
Immer ferner - der Puls der Zeit.
Jemand erwartet mich.

Ein Spielkind.

III.

Ein Heiliger schreit
auf deinem Bild, Basquiat.
Zum Schweigen wird ihm gereicht
ein Apfel, in Burgundrot.
So wird er mundtot.
Die Säure tropft
aus dem Apfel.
Ein Heiliger schweigt.
Sein Mund
- Basquiat.

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