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Klaus Hübner - Arbeitsproben

LOHENGRIN BEIM HÄNDEWASCHEN (Trier 1988)

"In den sehr frühen Morgenstundenden des fünften September achtzehnhundertzweiundachtzig, acht Tage nach der glanzvollen und feierlichen Enthüllung des Denkmals, das der Kölner Dombaumeister Vinzenz Statz entworfen hatte, stieg Lohengrin erstmalig von seiner Säule, um sich in einem der vier darunter befindlichen Brunnen die Hände zu waschen. Lohengerin legte sein Schwert und den langen Umhang neben sich auf den staubigen Boden und reinigte ausgiebig seine Hände. Von diesem Ereignis bemerkten die Klever Bürger nichts. Es war noch zu früh, als daß jemand bereits unterwegs gewesen wäre. Lohengrin war es recht. Da ihn kein menschliches Wesen beobachtete, konnte in der Stadt auch keine Besorgnis entstehen, bei ihm ginge es nicht mit rechten Dingen zu. Sowie er mit seiner Reinigungsprozedur zufrieden war, nahm er all seine Utensilien an sich und bestieg wieder die steinerne Säule. Als der erste Bürger am Denkmal vorbei kam, war nichts mehr von dem frühmorgendlichen Unternehmen zu sehen."

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