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Willi Fleddermann - Arbeitsproben

Aus: MEIN TAG MIT PAULUS

Malena (Rezitativ): Sei gegrüßt, willkommen mir am Wohlstandslager,
wo Schönheit im Mondglanz sich wendet, wo meine Alptraumwiese ich fand
und ich durch Flockenschaumhöllen einging ins Tränenparadies. Ach, wie erbärmlich drücken Seelenpolster, mit Traummüll gestopft vom Feinsten.
(Gesang): Kuschelweichzähne schlagen sich in Spießerlächeln und Treibhausgedanken. Heulendes Elend speit Glückslarven aus. Ich hab' Heimweh nach Wohltat aus Lumpenresten und Stroh.
(Rezitativ): Längst schon flehe ich meine Hände an, zu erwürgen die Schaumgespenster und zu reißen wie besessen Traumgeschwüre aus Laken und Kissen. Längst will ein Feuer ich entfachen, Seelenschaum niederbrennen zu Asche, dass Hoffnung steigen möge, auf nacktem Lehm
neu den Phönix wachsen zu sehn!
(Gesang): Mein Atem bläst wie Frühlingswind im Flackerlicht der aufjubelnden Flammen Schattengesichter der Aschinsel zu, dass voll Zorn sie der Phönix zertreten möge zu Staub.
(Rezitativ): Elendes Trugbild, verschwinde! Ach, längst herrscht Lüge im Saatgrund der Freiheit! Was aufreißt die Rechte, Liebkind meiner Hände, stopft beflissen die Linke ins Bettzeug zurück. Ich fluche, ja, fluche meinen Händen, wie wohl weiß die Rechte, was die Linke tut! Aber immer noch schützen Medienschlafzäune mein Lager. Und Stimmen raunen:
(Gesang): Ist etwa doch am Ende nicht der rechte Zeitpunkt zur Verwandlung gekommen? Sollte ich zögernd verharren im Traum, anstatt sinnlos zu pochen und zitternd unterzugehn?
(Rezitativ): Ich schreie auf vor Entsetzen, und ich weiß, es ist nur ein Ausweg offen: Verbrennen muss ich, was als Honigsud die Seele vergiftet.
(Gesang): Ich habe Angst, es tut so weh. Doch schmerzt viel stärker, in Lüge zu leben. Nein, ich will frei sein! Will blühen im Licht, mutig wagen, vor jedem erstarrten Frühling zu fliehn!
(Rezitativ): Denn sterb' ich zuvor, will niemand mich Aschengel
mehr Phönix heißen.

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