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Renate Ufermann - Arbeitsproben

Aus: WIE EIN STEIN

... Mich gibt es leider noch. Es gibt mich seit 25 Jahren. Ich bin wie andere Frauen, mittelgroß, aschblond, von beliebigem Aussehen, ... verunsichert, verwirrt. Selbst in Gesellschaft vermag ich nicht mehr verbindlich zu lächeln. Meine Brüste bilden flache Hügel unter meinem Kleid; meine Arme sind meine Arme. Wenn ich die Ellebogen abspreize, quillt der bittere Geruch von Schweiß aus meinen Achselhöhlen hervor, ein Geruch, der seitdem ständig der meine ist. Unter meiner Haut arbeitet mein Fleisch, frisst die Tage stumpf in sich hinein.
Ich bin wie eine Form, in die eine gewisse Geschichte gegossen ist, die Geschichte einer alleinerziehenden Mutter eines fünfjährigen Jungen. Ich habe mein Leben sparsam gelebt, immer nur für mein Kind, mit aller Ernsthaftigkeit und Verlässlichkeit. Vieles habe ich ausgespart, z.B. die Männer, Männer, die vorbeikamen mit diesem bestimmten beharrlichen Lächeln ... oder mit schönen starken Armen ...

Zu einer Lithographie von Alexandra Hug. In: www.literatenohr.de

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