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Martin Baltscheit - Arbeitsproben

FRÜHLINGSBÄR UND WINTERBIENE

Die Honigbiene sprach zum Bär
"Ach, wenn doch endlich Frühling wär!
Dann wär es warm, ich könnte reisen
von allen bunten Wiesen speisen!"

"Den Winter würd ich schnell vergessen
und hätte jeden Tag zu essen,
Ich flöge munter hin und her,
ach, wenn doch endlich Frühling wär!"

Da sprach der Bär, noch ganz benommen:
"Ich glaub, der Frühling wird nicht kommen,
denn noch lieg ich im Winterschlaf
für eine Weile warm und brav."

Die Honigbiene rief: "So ´n Scheiß!
Solang der schläft, wird es nicht heiß!
wird weder warm, noch blütenbunter
Ach, blöder Bär, wach auf werd munter!"

Aber der Bär war ganz entschieden
Für seinen Schlaf in Bärenfrieden
und drehte sich mit viel Gebrumm
nur auf die andre Seite um

Jetzt aber hört, wie da die Biene
zu bösem Spiel mit guter Miene
den Plan der Pläne sich ersann
und griff den Bär von hinten an

Mit blankem Stachel – Überfall!
stach sie den Bären überall
und brachte ihn auf diese Art
mit Stich um Stich in Bärenfahrt

Der Bär sprang auf, stürmte hinaus,
rannte gleich zweimal um sein Haus.
Der Winters sah´s und musste lachen,
vergass den Frühling zu bewachen

Der Winter schmilzt, der Frühling siegt
Die Sonne scheint, die Biene fliegt
Sie breitete die Flügel beide
und flog zur Arbeit auf die Weide

Der Bär war sauer und verbittert
doch plötzlich er den Honig wittert
Die Biene rief: "Ach Bär, hab Dank!"
und stellt´ zwei Krüge in den Schrank!

Der Bär rief: "Biene! Dank auch dir!
So einen Frühling lob ich mir!"
Und ging mit großem Bärenschritt
zum Schrank und nahm die Krüge mit.

Den Winter macht, wir wissen wer!
Es ist der treue Schlaf vom Bär.
Den Frühling aber bringt für dich
der kleinen Biene Bienenstich!

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