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Claudia Groß - Arbeitsproben

Aus: SCHOLARIUMS (2. Teil)

Nichts war lebendiger auf diesem Bild wie der nackte Tod in seinem bleichen Knochenwerk. Neben ihm ein Jüngling in einem perlzbesetzten Mantel, den er artig an die Hand fasst und der, zwar von ihm abgewandt, sich doch dazu hinreissen lässt, seine Hand festzuhalten. Er hat eine anmutige Haltung angenommen, der Tod, richtig nonchalant wirkt er, ein Charmeur, ein Galan, auch wenn er die scharfe Sense schon in der anderen Hand parat hat. Seine Beine tänzelnd, leichtfüßig, er ist ein guter Tänzer, und das Lächeln auf seinem Gesicht sagt: komm, tanz mit mir. Der Jüngling ziert sich noch ein Weilchen, hält den Saum des Mantels hoch und sieht den Tod geradezu verliebt an und wenn der andere weiter so anmutig für seine Sache wirbt und ihn mit seiner grazilen Haltung becirct, dann wird sein Widerstand brechen; und der Tod wird endlich die Sense in seinen schlanken Hals bohren.

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