NRW Literatur im Netz

Klaus Rudolf Schell - Arbeitsproben

IMMERHIN: FREILICHTBÜHNE

Die Gnomen tanzen, verkleidete Kinder
allerliebst, nach Musik aus dem Lautsprecher
(String-Ensemble), dann
werden die Kleinen nach Haus
gefahren, unterwegs Kekse
Abends noch einiges aus der Trollserie
(echt norwegisch) zum Insbettgehen
Nur im Wald waren sie heute
wieder nicht. Die Gnomen
warten vergebens.

DIESE MEDITATIONEN

im kleinen Kreis DIN A 3
wo Minutenkotelett Creme fraiche
Prodomo Delikatess Mayonnaise
das abbilden, was unser Alles ist
wohin wir gleich wallfahren im Combi
günstig bis zum Gehtnichtmehr, für Monate
und alles hinterher tiefgefroren.

MEIN NACHBAR LÄSST DEN MOTOR LAUFEN

Ist das Liebe
die unaufhörlich hofft
dass der andere anders wird
und er wird und wird es nicht?

Ist das Liebe
oder Hass oder ist das eben
die Liebe?

Oder ist das Liebe
wenn du nichts mehr hoffst
und jeder so sein kann
wie immer er will
dich nichts aus der Bahn wirft –

oder ist das Gleichgültigkeit?

CODA

Was alle wollen wollen, will auch der Poet.
Das ist er. Wie im Rad die Maus sich dreht,
so dreht er sein vorhersehbares Los.
Doch ist sein Stil wie eine Schwelle hoch
und führt von lichter Treppe vor dem Haus
in grenzenloses Eisgebiet hinaus,
wo Alles in des Nichtseins Gras
heuschreckenartig von der Speeresspitze schnarrt.

Und wenn wir dorthin kehren unsern Blick -
dann ist der Laut so wie die Träne Zufall, ist Geschick.

(Ol’ga Sedakova, "Coda". Übers. von Klaus Rudolf Schell, 22. 02. 2004 )

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