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Reinhard Junge - Arbeitsproben

Aus: DATENGRAB

Still vor sich hinfluchend, zwängte sich Hauptkommissarin Herta Kasten in ihre gelbe Windjacke, drückte ihre Dienstpistole etwas tiefer in die ausgebeulte Seitentasche und baute sich voller Schadenfreude vor der Herrentoilette auf. Genau dorthin hatte sich vor dreizehn Minuten ihr engster Mitarbeiter Christoph Waliszczek verzogen, um die Zeit bis zum Feierabend zu überbrücken. Der Mann war gerade mal Kriminalkommissar und damit noch lange nicht zu solchen Verpissungsmanövern befugt. Na, warte.
"Was ist, Hertalein?"
Schüppe kam vorbei, einen Dienstgrad höher als sie und inzwischen so etwas wie der freischaffende Künstler für das Besondere. Zumal kam er sich als Fan des königsblauen Fussballvereins im Dortmunder Präsidium manchmal vor wie ein schwuler schwarzer Jude im Visier des Ku-Klux-Klans.
"Ich warte", sagte sie lakonisch.
"Du stehst vor der falschen Tür."
"Schüppe-Schätzchen, es gibt drei Themen, bei denen ich mich nie irre: Fussball, Männer und Türen. Und jetzt mach. Sonst kommst du mit zu unserer neuen Leiche."

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