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Winfried Pielow

Bürgerl. Name
Winfried Pielow
Jahrgang
1924
Geburtsort
Tungerloh/Pröbsting
Wohnort
Laer
Orte
Tungerloh/Pröbsting, Münster, Laer
Regionen
Westfalen komplett, Münsterland
Genres
Prosa, Funk

Kontaktadresse
Ludgerusstr. 6
48366 Laer
Deutschland

Telefon
 
geschäftlich
02554-8183
Telefax
02554-8183

Email
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Vita

Geboren am 19. Mai 1924 in Tungerloh/Pröbsting bei Gescher. Winfried Pielow wuchs zunächst im Münsterland auf, bis er durch eine Versetzung seines Vaters nach Marienwerder/Westpreußen kam. Dort machte er 1942 das Kriegsabitur. Von 1942 bis 1945 erlebte er Arbeitsdienst, Wehrmacht, Gefangenschaft. 1946/47 begann er eine Ausbildung zum Volksschullehrer und schloss ein Studium der Germanistik, Anglistik und Pädagogik in Münster an, dass er 1951 mit der Promotion beendete. Ab 1954 war Winfried Pielow Assistent an der Pädagogischen Hochschule Alfeld. 1960 wurde er Dozent und von 1963 bis zu seiner Emeritierung 1989 lehrte er als Professor für Didaktik der Deutschen Sprache und Literatur an der Pädagogischen Hochschule Münster, dann an der Universität Münster. Er lebt in Laer.

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Auszeichnungen

1992 Internationaler Hörspielpreis

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Prosa

Der Zeitzeuge. Monsenstein und Vannderdat: Münster 2002, (2004).
Die Utopie des Landlebens. Erzählungen. Laumann-Verlag: Dülmen 1995.
Das Alphabet. Ein Brief. Verlag Jenior & Preßler: Kassel 1993.
Erbschaften oder das Glück der Schrift. Roman. tende Verlag: Dülmen 1989.
Deutscher Schwindel. Elf Flucht- und Heimkehrgeschichten. tende Verlag: Münster 1982.

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Lyrik

Verhältniswörter. Gedichte. J.G. Bläschke Verlag: Darmstadt 1972.

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Funk

Der Hochton. WDR: Köln 1996.
Der Schnitt. WDR: Köln 1995.
Die lange Weile der Briefe danach. WDR: Köln 1992.
Das weiße Haus auf der Lichtung. WDR: Köln 1990.

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Anthologie

Keks. In: Das LiteraturTelefon der Stadt Münster 1979-1999. Ein Lesebuch. Iris Nölle-Hornkamp (Hg.). Ardey: Münster 1999.
Friedensziegel. Eine Erzählung. In: Nach dem Frieden. Anthologie. Hrsg. von Georg Bühren et al. Ardey: Münster 1998. (Wieder abgedruckt in: Jürgen Böckling (Hg.): Denk ich an Münster. Aschendorff: Münster 2000).
Die Uniform als Diskurs. Hrsg. von Jürgen Link. In: kulturrevolution 10/1994.
Die ungesäumte Wegwerfung des Lebens - Der Diskurs des Offiziers Axel von dem Bussche. In: Sinn und Form. Hrsg. von der Akademie der Künste, Jg. 46. 1994. 4. Heft. Aufbau-Verlag: Berlin 1994.
Grammatik des verhinderten Werktages. In: J. Monika Walther (Hg.): Diese Alltage überleben. tende Verlag: Münster 1982.

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Über Werk und Autor

J. Hein, H.H. Koch, E. Liebs (Hg.): Das Ich als Schrift. Über privates und öffentliches Schreiben heute. Zum 60. Geburtstag von Winfried Pielow. Schneider: Baltmannsweiler 1984.

Lexikoneinträge:
Wilhelm Kosch: Deutsches Literaturlexikon. 3., völlig neu bearb. Aufl. Siegmar Hohl, Carl Ludwig Lang (Hg.). Bd. 11. Bern, München 1988.
Ludwig Janssen: Literatur-Atlas NRW. Ein Adreßbuch zur Literaturszene. Köln 1992.
Gisela Schwarze (Hg): Westfälisches Autorenverzeichnis. Münster 1993.
Kürschners deutscher Literaturkalender. Hrsg. von W. Schuder. Berlin, New York 1998.
Westfälisches Autorenlexikon. Hrsg. von Walter Gödden, Iris Nölle-Hornkamp. Bd. 4: 1900 bis 1950. Paderborn 2002.

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Selbstauskunft

Geboren wurde ich am 19. Mai 1924 in Tungerloh-Pröbsting, Kreis Borken, in einer für damalige Zeiten entlegenen Bauerschaft. Die Schuljahre verbrachte ich, jeweils nur kurzfristig, in Gescher, Borken, Coesfeld und in Marienwerder/Kwydzin, dem früheren Westpreußen. So kann ich kaum von nachhaltigen Schulerinnerungen sprechen, um so mehr von tief verankerten Bildern an die Entlegenheit einer Bauerschaft zum einen, zum anderen an die Weltferne des Weilers Bönhof/Benowo im früheren Westpreußen, wohin mein Vater gegen seine Willen während des Krieges als Volksschullehrer versetzt wurde. Er und seine Familie flohen im Januar 1945 vor den sowjetischen Truppen und erreichten wieder die Bauerschaft, in der ich geboren wurde.
1942 wurde mir an der damaligen Oberschule in Marienwerder das Kriegsabitur nachgeschmissen, zeitgemäß ausgedrückt. Zunächst hatte ich 1942 elende Monate beim sog. Reichsarbeitsdienst wieder im Münsterland zu verbringen, sodann wurde ich im Dezember 42 zur Wehrmacht zu dem Zeitpunkt eingezogen, als sich die kollektive Depression nach dem Stalingrad-Debakel bereits eindringlich eingeprägt hatte. Es war somit ganz selbstverständlich, daß man, daß auch ich, an die sog. Ostfront unter der Vorausetzung geriet, verheizt zu werden.
Aber ich hatte Schwein - desgl. Sprache von damals. Nach einer Verwundung an der Beresina im Sommer 1944 ( Zusammenbruch des sog. Mittelabschnitts - ein zweites Stalingrad mit noch größeren Verlusten), geriet ich in Kurland in einen weiteren Kessel, dem ich jedoch am 8. Mai 1945 auf eine Weise entkam, die nur gelogen sein kann, wenn sie nicht dennoch wahr gewesen wäre.
Daß ich mit Beginn des Studiums, sowohl an der soeben erst wiedereröffneten Uni Münster, wie auch an einer provisorisch in Emsdetten eingerichteten Pädagogischen Akademie, meine sehr persönliche Stunde Null erfuhr, gehört zum nachhaltigsten Erlebnis des realen Friedens als Wunder. Damals faszinierte Studium, und diverse Staatsprüfungen ergaben sich in rascher Folge einschließlich einer Promotion bei Benno von Wiese 1951.
1954 wurde ich Assitent an der Pädagogischen Hochschule Alfeld/Leine. Eine Dozentur für historische Pädagogik schloß sich an, eine weitere für Literaturwissenschaft und Literaturdidaktik bald darauf. In dieser Sparte erhielt ich 1960 einen Ruf an die Pädagogische Hochschule Münster, drei Jahre später bekam ich eine Professur, die, abgesehen vom Selbstverständnis großer Studentenzahlen, mit einer Fülle von zusätzlichen Aufgaben verbunden waren (Gremienarbeit, u.a. im Wissenschaftsrat). Es gab indessen auch Aufgaben, an die man sich vor Begeisterung hätte verlieren können. Dazu gehörte die Leitung der Studiobühne an der Pädagogischen Hochschule Münster ab 1960. U.a. gehen die eigenen, häufiger aufgeführten Texte auf diese Zeit zurück: „Hallo, David! Hau ab, David!“ / „Gift, Profit und Antiane“. Zwei Stücke für Schul- und Jugendtheater. Weinheim/Bergstr. 1974
1989 wurde ich von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster emeritiert, welche die früheren Pädagogischen Hochschulen in Münster übernommen hatte.
Daß sich meine literarischen Arbeiten mit der ‚jüngsten deutschen Vergangenheit', mit NS-Zeit und Krieg befassen, ist auch angesichts der allenthalben wieder auffbrechenden Diskussion (u.a. zum Thema Verbrechen der Wehrmacht) verständlich. Zudem interessierte mich seit längerem der Widerstand gegen Hitler, vor allem der militärische mit Henning von Tresckow und Axel von dem Bussche, die weiterhin Protagonisten für meine literarischen Arbeiten sind.
Beim Rückblick auf die verschiedenen Genres, die ich erprobt habe, mache ich die Erfahrung, daß ich mich beim Produzieren von Dialogischem (vor allem beim Hörspiel) erheblich freier fühle, als beim Schreiben von Prosa, die mit dem Bleigewicht der eben erwähnten ‚jüngsten deutschen Vergangenheit' behaftet ist.

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Quellenangaben
Autorenauskunft, Eigenrecherche
Sonstige Quellen

Westfälisches Autorenlexikon. Bd. 4: 1900 bis 1950. Schöningh: Paderborn 2002.

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Aktualisiert am
13.09.2011

 

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