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Christina Bacher - Arbeitsproben

Aus: HAI-ALARM

"Haifischbande?" Wladi hört davon zum ersten Mal. Sieberbeck zeigt mit seinem Kugelschreiber auf eine Zeichnung an der Häuserwand, die ihm bislang noch gar nicht aufgefallen war. Ein riesiger mit Kreide gezeichneter Hai, fast einen halben Meter groß, ziert das Haus. "Die Bande treibt seit einigen Wochen in der Kölner Nordstadt ihr Unwesen. Und immer hinterlassen die Einbrecher dieses Zeichen. Eine Art Botschaft."
"Wieso Boot schafft?"
"Naja, sie wollen uns etwas mitteilen. Was, wissen wir noch nicht." Sieberbeck räuspert sich. "Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Täter zu stellen, aber es gelingt uns nicht, weil sie nicht immer gleich vorgehen. Einmal tauchen sie montags in Weidenpesch auf, dann mittwochs wieder in Niehl, mal überfallen sie einen Laden am frühen Vormittag am Eigelstein und dann wieder in den Abendstunden im Agneveedel. Nur die Kreide-Haie auf den Wänden sind immer gleich, genauso wie die Masken."
Immerhin ein Muster, denkt Wladi, dessen detektivischer Spürsinn gerade erwacht. "Es geht immer um Hai!" denkt er laut. Der Kommissar schaut ihn stirnrunzelnd an.
"Der Hai. Er gilt gemeinhin als kaltblütiger Killer und Menschenfresser."
Wladi denkt an das Haifischbecken im Zoo, an die Kölner Haie – die bekannte Eishockeymannschaft und an den Film "Der weiße Hai", den sein Vater letztens mal geschaut hat und den er nicht mitschauen durfte, weil er zu gruselig ist. Ob die beiden Männer mit den weißen Haimasken genauso gefährlich für ihre Mitmenschen sind? Wladi bekommt eine Gänsehaut.
Sieberbeck schaut Wladi mit zusammen gekniffenen Augen an. "Was also hast du beobachtet? Jedes Detail hilft uns weiter."

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