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Jörg Krämer - Arbeitsproben

Aus: GERMANISCHER BÄRENHUND - PORTRAIT EINER AUSSERGEWÖHNLICHEN HUNDERASSE

Bereits Ende des 2. Jahrhunderts vor Chr., lange vor dem Beginn der eigentlichen Völkerwanderung gab es Wanderbewegungen der Germanen.  375/376 begann dann die Völkerwanderung, vor allem germanischer Völker. Als Haustier der Germanen dominierte das kleinwüchsige Rind.  Dazu kamen dann noch Schwein, Schaf, Ziege und nicht zuletzt auch Geflügel. Die Germanen hielten auch mittelgroße und große Hunde, die als Hof-, Hirten- und Jagdhunde eingesetzt wurden.
Diese Hunde mussten in einer harten, lebensfeindlichen Umwelt überleben. Während der Jagd bekamen sie es oft mit überlegenen Gegnern zu tun.  Bei Gefahr mussten sie ihre Sippe verteidigen. Das konnten sie nur, wenn sie robust, ausdauernd und wachsam waren. Diese großen, bärigen Hunde gelangten als Beutestücke bei Kämpfen in das gesamte römische Reich. Im Gegenzug wurden Zwerghunde aus den römischen Provinzen bei den "Barbaren" eingeführt. Im Lauf der Zeit verlor sich die Spur dieser germanischen Hunde.

Aus: IM SCHATTEN VON SCHLÄGEL UND EISEN

Im Jahre Achtzehnhundertfünfundsechzig lebte in dem abgelegenen Dorf Kleyberg, in der Nähe von Stockum, eine junge Familie. Ich möchte ein bisschen aus ihrem Leben erzählen. Der Mann war von Beruf Bergmann, seine Frau Haus-frau und Mutter. Sie waren noch sehr jung. Die ersten fünf Kinder kamen schnell; jedes Jahr eines. Da gab es viel, viel Arbeit. Die Mutter war von morgens früh bis abends spät auf den Beinen. Dem Vater ging es nicht besser. Der älteste Sohn war Fritz, dann kamen Johann, Heinrich und Wilhelm. Die Jüngste war endlich ein Mädchen, das war eine Freude. Sie wurde nach ihrer Mutter benannt. Doch weil der Name so lang war, sagte man einfach Mimmi.
Eines Abends meinte Mutter: "Johannes, ich denke mit dem Kinderkriegen könnte nun Schluss sein. Die Arbeit wächst mir sonst über den Kopf. Das willst du doch auch nicht, oder doch?"
"Aber, Wilhelmine. Nein! Nein! Und noch einmal nein! Das will ich bestimmt nicht, aber was ist, wenn es trotz-dem passiert? Oder wir dürfen uns einfach nicht mehr lieb haben, dann hätten wir Sicherheit."
"Nein, Johannes, so habe ich es nicht gemeint." Wilhelmine war geknickt.
Johannes fühlte sich stark. "Siehst du, mein Liebes." "Dann mache ich dir einen anderen Vorschlag, mein lieber Mann, wie du mir viel Arbeit abnehmen könntest." "Sag schon! Ich mache alles, was du willst."
Wilhelmine räusperte sich. "Wenn du da nur nicht zu viel versprichst."
Johannes war entrüstet. "Wilhelminchen, raus mit der Sprache!"
"Es fällt mir so schwer. Nun gut! Vater, könntest du nicht wie deine Arbeitskollegen in der Waschkaue baden? Da bräuchte ich nicht jeden Tag das viele Wasser tragen, und du bräuchtest nicht so schwarz nach Hause kommen. Es wäre eine große Entlastung für mich."
"Nein!", rief Vater ganz aufgeregt. "Nur das nicht! Alle Männer so nackt nebeneinander, ich kann das nicht. Ich will dir gern im Haushalt helfen. Aber du weißt, ich schäme mich. Es mag albern klingen, aber so ist das eben."
"Schon gut, mein Alter, das Versprechen sei dir geschenkt. Ich werde doch nie etwas von dir erbitten, was dir unmöglich ist", gab Wilhelmine nach.
"Du bist ein Schatz, Wilhelmine. Weißt du, ich schleppe das Wasser eben selbst, dann brauchst du es nur warm machen."
"Prima, Johann, darauf wäre ich nie gekommen." Mutter dachte an die Unordnung und das Geplansche in der Wohnung. Die Wasserkübel mussten reingebracht werden. Die Pumpe war ja ein ganzes Stück entfernt. Aber wo es ihm so peinlich war, nahm sie es in Kauf.
"Wenn die Kinder etwas größer sind, können sie mir ein bisschen helfen. Jetzt tollen sie noch den ganzen Tag draußen herum."
Es gab ja keine Autos und auch sonst keine Gefahr, außer ein paar Schrammen, die sie sich beim Fallen holten, konnte ihnen nichts passieren. Aber wenn es den ganzen Tag regnete, hing die ganze Meute an Mutters Rock, da war sie abends glücklich, wenn sie in ihren Betten lagen und sie mit dem Nachtgebet ihren Tagesablauf erfüllt hatte.

Aus: Im Schatten von Schlägel und Eisen

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