NRW Literatur im Netz

Hans Werner Kettenbach - Arbeitsproben

Aus: DIE SCHATZGRÄBER

Ich ging in den Speisewagen, suchte und fand einen Platz auf der linken, dem Strom zugewandten Seite... Eine Ortschaft schob sich zwischen den Bahndamm und den Strom, niedrige, dicht beieinander stehende Häuser rückten heran, eine Kirche aus Bruchsteinen, eine Scheuer unter einem windschiefen Dach, hohe Leitern und Brennholzstapel in den engen Höfen, die an den Fuß des Bahndamms grenzten, ein Fuhrwerk mit Jauchefaß, Wohnungen und Stallungen ineinandergeschachtelt, sie huschten so nahe vorbei, daß ich glaubte, den Geruch des alten Gemäuers zu riechen und den des Viehs und des Strohs und den Hauch des Wassers, das auf der anderen Seite der Häuser vorüberfloß. Schon auf meiner ersten Reise nach München, das war in den Semesterferien, als die Zweifel am Sinn meines Studiums mir zu schaffen machten und Leo mich eingeladen hatte, mit ihm eine Woche in seinem Urlaubsort am Chiemsee zu verbringen, schon damals hatten mich diese Ortschaften fasziniert, ein Milieu, das es auf keiner Postkarte vom Rhein zu sehen gab, obwohl es auf einen einzigen, flüchtigen Blick die Vergangenheit offenbarte, die sich zur Gegenwart verwandelt hatte...

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